FRESKO e.V.

Verein für Bildungs- und Kulturarbeit

12. September 2019
von Wencke Strauss
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Weiterbildung „Deutsch-Medizin“ für DaZ-Lehrende – ein Erfahrungsbericht

von Dott. Silvia Miglio

Immer mehr internationale Ärztinnen und Ärzte werden an deutschen Krankenhäusern gebraucht. Sie benötigen für die Berufszulassung neben Deutschkenntnissen auf einem hohen Niveau auch Fachsprachenkenntnisse, daher liegt hier ein besonderes Betätigungsfeld für Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkräfte – und ein Fortbildungsbedarf, der von der IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch bei FRESKO e.V. gerne aufgegriffen wurde.

Vom 5. bis 9. August 2019 nahm ich an der Weiterbildung „Deutsch-Medizin“ teil, die Dr. Neda Sheytanova von der Arbeitsstelle Deutsch im Netzwerk Saarland des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ äußerst abwechslungsreich, informativ und praxisnah gestaltete.

Im ersten Modul erhielten wir eine ausführliche Einführung in das Berufsfeld und seine sprachlich-kommunikativen und interkulturellen Anforderungen sowie detaillierte Informationen über die Wege zur Anerkennung und Berufszulassung in Deutschland. Darüber hinaus wurde das Konzept des BAMF für den Spezialberufssprachkurs „Akademische Heilberufe“ erläutert und reflektiert. Dieser theoretische Einstieg am ersten Tag verschaffte uns Lehrkräften einen umfassenden Überblick über die Bedarfe der Zielgruppe zugewanderter Ärztinnen und Ärzte.

Deutschkompetenzen und Berufskompetenzen bilden eine Einheit

Das zweite Modul ging sofort in medias res und vermittelte Hilfestellungen für die Förderung der sprachlich-kommunikativen Kompetenzen in konkreten beruflichen Situationen. Wir bekamen konkrete Tipps für die Sprachbedarfsanalyse, beschäftigten uns mit den sogenannten Kann-Beschreibungen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) und konnten anschließend das Gelernte anhand eines Anamnesegesprächs in die Praxis umsetzen. Der rege Austausch mit den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen über die unterschiedlichen Sprachhandlungen lockerte den Tag auf. Hier zeigte sich auch, dass die sprachlich-kommunikativen Kompetenzen Teil der beruflichen Kompetenzen sind und zusammen im Unterricht trainiert werden sollen.

Dies war der richtige Einstieg in das IFSL, also in das Integrierte Fach- und Sprachlernen – gemeint ist damit die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von Sprachunterricht mit fachlichen, hier: medizinischen Inhalten und die Wichtigkeit eines authentischen Trainings vom ersten Unterrichtstag an.

Arzt und Krankenschwester zeigen authentische Kommunikationssituationen

Höhepunkt des Moduls war die Durchführung eines Szenarios durch zwei extra angereiste Gäste: einen Arzt im Anerkennungsverfahren und eine Krankenschwester. Sie spielten eine typische, realitätsnahe Situation im Krankenhaus durch, die aus verschiedenen Handlungsschritten bestand: Anamnesegespräch, Patientenuntersuchung, Ausfüllen des Untersuchungs- und Anamnesebogens, Kommunikation Ärtztin/Arzt-Pflegekraft. Wir hatten die Möglichkeit, die Reihenfolge der Sprachhandlungen zu erkennen, die im Unterricht trainiert werden müssen. In der anschließenden Fragerunde wurden dem Arzt viele Fragen gestellt. So erfuhren wir aus erster Hand, welche Schwierigkeiten ausländische Ärzte meistern müssen, um in Deutschland tätig zu sein. Andere, nicht weniger interessante Inhalte rundeten das zweite Modul ab.

Ich fand es sehr wichtig, dass die Trainerin die Problematik der Vermittlung von Textkompetenz angesprochen und behandelt hat. Fachtexte stellen nämlich Lernende sowohl auf der Wort- als auch auf der Satzebene vor viele Schwierigkeiten. In Gruppenarbeit haben wir viele Methoden zur didaktischen Reduktion erprobt, die im Unterricht angewendet werden können. Auch die Sichtung und Analyse der Lehrwerke und Materialien sowie Internetangebote für Medizinerkurse waren sehr ausführlich und hilfreich. Insbesondere fand ich die Tipps der Referentin und ihre Erfahrungen sehr nützlich, denn jetzt kann ich die Materialien gezielter einsetzen.

Einblicke in die Fachsprachenprüfung für Ärztinnen und Ärzte

Das letzte Modul widmete sich der Prüfungsvorbereitung. Für Lehrende ist die Vorbereitung auf die Prüfung oft schwierig zu bewältigen, da die unterschiedlichen Prüfungsformate eine besondere Herausforderung darstellen. Die Referentin nahm sich Zeit, uns die Unterschiede zu erklären und viele Übungs- und Trainingsmethoden zu zeigen. Wir haben uns lange und intensiv mit den verschiedenen Bewertungsmethoden befasst und anhand von Videos Leistungen bewertet. Dadurch bekamen wir einen umfassenden Überblick über das Niveau, das erreicht werden muss, um die Prüfung zu bestehen. Nur wenn man das Ziel vor Auge hat, kann man den Unterricht effektiv planen und gestalten, denke ich.

Die Betreuung der gesamten Weiterbildung war ausgezeichnet. Die Referentin ist auf alle Fragen der Lehrenden ausführlich eingegangen. Ich habe mein Wissen erweitert und viel dazu gelernt.

30. August 2019
von Wencke Strauss
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Gelungener Start der Fortbildung „Es lohnt sich! Geflüchtete erfolgreich ausbilden.“

Viele haben mitgeholfen und so konnte sie schließlich starten: die vom Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB beauftragte Fortbildung für Ausbilder*innen in Betrieben, die Geflüchtete ausbilden oder dies planen. Von vier Modulen sind nun zwei durchgeführt und wir können eine erste Bilanz ziehen.

Zu Modul 1 fanden sich 10 engagierte Ausbilder*innen am 6. Juli in dem perfekt ausgestatteten, schön vorbereiteten (und glücklicherweise klimatisierten) Raum im Berufsbildungs- und Technologiezentrum  der Handwerkskammer Wiesbaden ein, um sich über das Thema „Rahmenbedingungen bei der Ausbildung von Geflüchteten“ zu informieren, sich in einer Gruppenarbeit auszutauschen und authentische Fälle kennen zu lernen. Alle Teilnehmenden beteiligten sich rege und die Rückmeldungen waren aufschlussreich und sehr positiv. Als Gastdozentin war die Willkommenslotsin der Handwerkskammer Wiesbaden, Anja Kloos, eingeladen. Sie vermittelte den Teilnehmenden in einem Input wichtige und aufschlussreiche Informationen zu rechtlichen Voraussetzungen und zu den entsprechenden Vorgehensweisen.

Das Modul 2 startete am 17.8. erfreulicherweise mit weiteren Teilnehmenden, zumal das Thema des Moduls „Sprache und  Kommunikation“ von allen als größter Bedarf genannt worden war. Entsprechend intensiv, engagiert und für alle Seiten erhellend wurde gearbeitet und die Rückmeldungen waren wieder sehr positiv. Durch den hohen Praxisbezug ließ sich Vieles direkt auf den Arbeitsalltag übertragen.

Diese ersten beiden Module waren auch die Feuerprobe für das neue Team: Claudia Ohlendorf, Silvia Krauß und Dr. Karin Wullenweber. Die drei Dozentinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen und bringen entsprechend vielseitige Kompetenzen und Perspektiven mit ein.

Etwas ungewohnt war die teilnehmende Beobachtung durch Herrn Dr. Wittig vom Forschungsinstitut berufliche Bildung (f-bb). Denn als Pilotprojekt wird die Fortbildung auf Herz und Nieren durchleuchtet und evaluiert, um für eine mögliche bundesweite Umsetzung die besten Anteile herauszufiltern. Hierzu wird die Fortbildung zudem parallel von einem Träger in Hamburg durchgeführt und die Ergebnisse werden kontinuierlich verglichen.

In einem Workshop im BIBB in Bonn am 26.8., an dem Karin Wullenweber und Claudia Ohlendorf teilnahmen, stellte f-bb den Auftraggebern und den durchführenden Trägern die Ergebnisse dar und man tauschte sich lebhaft über viele Elemente der ersten beiden Module aus. FRESKO e.V. wurden exzellente Ergebnisse bescheinigt: In allen Rubriken der Evaluation erreichten wir fast durchgehend 100% volle Zustimmung, sprich die Note „sehr gut“, was uns sehr freut.

Die Fortbildung ist als Blended-Learning-Format konzipiert, das Online-Angebot war bisher aber deutlich weniger nachgefragt als die Präsenzveranstaltungen. Dies bestätigt die auf langer Erfahrung fußende und im Vorfeld geäußerte Einschätzung von FRESKO e.V., dass zusätzliches Online-Lernen für die unter großem Zeitdruck stehenden Ausbilder*innen (noch) nicht das geeignete Instrument sein würde.

Uns hat es großen Spaß gemacht, mit der sehr netten Gruppe zu arbeiten, und wir hoffen, dass wir mit Modul 3 und 4 an die tollen Ergebnisse der ersten beiden Module anknüpfen können.

19. August 2019
von Ingrid Weinreich
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Die mobile Bildungsberatung in Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis vor Ort mit dem Infomobil

Jetzt den Berufsabschluss nachholen!

Die mobile Bildungsberatung zu den Fördermöglichkeiten kommt mit dem Infomobil und den Bildungscoaches nach Wiesbaden und in den Rheingau-Taunus-Kreis. Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich zu den Möglichkeiten einer beruflichen Nachqualifizierung.

Wir sind vor Ort und für Sie von 10:00 bis 15:00 Uhr da:

  • Dienstag, den 20.08. in Wiesbaden, Dow Silicones  GmbH, Rheingaustr. 34
  • Mittwoch, den 21. 08. in Eltville, Mehrgenerationenhaus 2 (MGH2) Walluferstr. 10
  • Donnerstag, den 22.08. in Geisenheim auf dem Lindenplatz vor dem Rathaus

Jetzt den Berufsabschluss nachholen! Mobile Beratung zur Nachqualifizierung vor Ort.

Ein Berufsabschluss lässt sich unabhängig vom Alter sehr viel problemloser nachholen, als man gemeinhin denkt. Schließlich kann die oftmals langjährige berufspraktische Erfahrung für den nachträglichen Berufsabschluss angerechnet werden.

Durch die Initiative ProAbschluss wird die Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen gefördert, die von einem zertifizierten Weiterbildungsanbieter angeboten werden und zu einem Berufsabschluss hinführen. Per Zuschuss können über den Qualifizierungsscheck bis zu 50 Prozent der Teilnahme- und Prüfungsgebühren bis zu einer maximalen Fördersumme von 4.000,- Euro übernommen werden.

Kommen Sie vorbei und informieren sich unverbindlich zu Ihren persönlichen beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten.

Ingrid Weinreich PROAbschluss Bildungscoachinnen Nachqualifizierung FRESKO e.VRuth Weber-Jung FRESKO e.V. Projekt Eltville Asyl
Ingrid Weinreich
0611 969 70 46-7
i.weinreich[a]fresko.org
Ruth Weber-Jung
0611 408074-48
r.weber-jung[a]fresko.org

2. August 2019
von Wencke Strauss
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Expertinnen helfen Wiesbadener Azubis! QuABB-Ausbildungsbegleiterinnen von FRESKO e.V. in der Rhein-Main-Presse vorgestellt

Von Augenoptiker, Bankkauffrau und Chemielaborant bis Zweiradmechatronikerin: Jungen Menschen bietet sich nach ihrem Schulabschluss ein breites Spektrum unterschiedlichster dualer Ausbildungsberufe. Viele entscheiden sich bei der Ausbildungssuche bewusst für einen Handwerks- oder IHK-Beruf. Was aber, wenn man nach einer kürzeren oder längeren Ausbildungszeit feststellt: Das ist vielleicht doch nicht der richtige Beruf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Oder: Es fehlt mir etwas – an eigener Motivation, an Unterstützung, an zusätzlicher Lernbetreuung – um meinen Wunsch nach einem Abschluss in diesem Beruf verwirklichen zu können.

Für Jugendliche und junge Erwachsene ist eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung ein wichtiger Grundstein für das weitere Berufsleben. Aber auch Betriebe haben aufgrund des wachsenden Fachkräftemangels ein großes Interesse daran, den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Daher unterstützen die Ausbildungsbegleiterinnen des FRESKO e.V.-Projekts „Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB)“ bei Konflikten in der Ausbildung und bieten in Zusammenarbeit mit Betrieben, Berufsschulen, Kammern und ggf. weiteren Akteuren Unterstützungsangebote für Auszubildende an.

In Wiesbaden sind die Beraterinnen Barbara Emmelheinz und Petra Gandor QuABB-Ansprechpartnerinnen für Auszubildende, Betriebe, Berufsschulen und auch Eltern. Sie helfen, Probleme in der Ausbildung frühzeitig wahrzunehmen, und unterstützen durch professionelle Beratung und Begleitung, drohende Abbrüche abzuwenden oder Anschlussperspektiven zu erarbeiten.

In einem Interview mit der Rhein-Main-Presse haben Barbara Emmelheinz und Petra Gandor von dem besonderen Angebot der QuABB-Ausbildungsbegleitung in Wiesbaden erzählt und dabei Einblicke auch in die eigene Ausbildungserfahrung gewährt. Mit einem Klick auf die Bilder können Sie eine hochauflösende Ansicht für bessere Lesbarkeit des Artikels aus der Ausgabe des Wiesbadener Kurier vom 31. Juli 2019 öffnen.

Der Artikel ist auch im kostenpflichtigen Archiv-Portal des Wiesbadener Kurier abrufbar.

 

19. Juli 2019
von Wencke Strauss
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„Deutsch in der Ausbildung“: Kurs für Azubis mit Migrationshintergrund in Kooperation zwischen FRESKO e.V. und der Handwerkskammer Wiesbaden erfolgreich abgeschlossen

Geschafft! Nach einem halben Jahr Intensivkurs „Deutsch in der Ausbildung“ nahmen zehn Azubis stolz ihre Teilnahmebescheinigungen aus der Hand des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer (HWK) Wiesbaden, Dr. Martin Pott, entgegen. Zweimal pro Woche waren sie nach einem anstrengenden Arbeitstag ins Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Wiesbaden II gekommen, um von 18:00 bis 20:00 Uhr Elemente der deutschen Sprache zu lernen, die sie für die Ausbildung und insbesondere in der Berufsschule und für die Prüfungen benötigen.

Die Fortschritte machten sich direkt bemerkbar: Ein Azubi legte erfolgreich während des Kurses seine Zwischenprüfung ab, ein anderer bestand kurz danach seine Abschlussprüfung.

Viele Personen hatten sich engagiert, um den Kurs zu ermöglichen: Vonseiten der HWK haben Hauptabteilungsleiter Christoph C. Gluche, die Bildungsberaterinnen Claudia Lange und Annette Giersch-Kunz sowie die Willkommenslotsin Anja Sabrina Kloos den Kurs auf den Weg gebracht und begleitet. FRESKO e.V. hat die inhaltliche Seite übernommen: Dr. Karin Wullenweber hat die Profilings und den Lehrplan entwickelt und den Unterricht übernommen, sie wurde von Thomas Eisenlohr unterstützt, der den Mathematikteil unterrichtet hat.

„Der Kurs ist ein schönes Beispiel für eine flexible, offene, konstruktive und entsprechend effektive Kooperation zwischen Akteuren der dualen Ausbildung!“, lobte Frau Dr. Wullenweber das gemeinsame Konzept von HWK und FRESKO e.V.

In der Deutschen Handwerks Zeitung erschien zum Kursabschluss in Ausgabe 12 2019 ein Bericht in der Sektion „Regional – Handwerkskammer Wiesbaden“. Mit einem Klick auf das Bild können Sie eine hochauflösende Ansicht für bessere Lesbarkeit des Artikels öffnen.

9. Juli 2019
von Wencke Strauss
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FRESKO im Fokus: Unsere Lehrenden in den Berufssprachkursen

Wir führen unsere Reihe „FRESKO im Fokus“ mit der Vorstellung von zwei FRESKO e.V.-Mitarbeitern fort – Maia Oschmann und Abdellah Ouchater – die im Bereich Berufsbezogenes Deutsch als Zweitsprache und spezifisch in den Berufssprachkursen gemäß § 45 a AufenthG (auch DeuFöV-Kurse genannt) tätig sind.

In der Reihe „FRESKO im Fokus“ kommen Menschen zu Wort, die – jeder auf eine besondere, individuelle Art – mit FRESKO e.V. und dessen Projekten verbunden sind.

Träumen auf Deutsch

Redaktion: Maia und Abdellah, ihr habt ja selbst Migrationshintergrund, wie wir sagen. Ihr seid beide selbst als junge Menschen nach Deutschland zugewandert. Abdellah, du hast hier ein Studium begonnen. Bei dir, Maia, fing es an mit einer Stelle als Au-pair. Beide habt ihr Deutsche Sprache und Literatur in euren Heimatländern studiert und konntet euch schon sehr gut verständigen und orientieren, als ihr in Deutschland angekommen seid. Welche Perspektive auf das Thema „deutsche Sprache“ ergibt sich daraus für euch, welchen Einfluss hat da eure eigene Sprach- und Migrationsgeschichte?

Maia Oschmann: Ich finde es wichtig, anderen Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind, weiterzugeben, dass die Sprache sehr wichtig ist. Ich bin mit 20 nach Deutschland gekommen und bin geblieben. Und das war für mich sehr faszinierend, sei es die Mentalität, sei es das Essen, das Wetter. Man denkt: Das sind solche Klischees. Das sind sie aber nicht, das war tatsächlich alles anders. Jetzt allerdings sind inzwischen 20 Jahre vergangen und ich denke: Jetzt bin ich richtig „eingedeutscht“. (lacht) Wenn ich jetzt zuhause bin, in Georgien, da stören mich ganz schön viele Sachen, da sage ich mir: Oh, okay… Das fand ich ganz interessant. Ich bin mittlerweile deutsche Staatsbürgerin, denn ich habe im Laufe der Jahre immer mehr gemerkt, wenn ich nach Georgien fliege und wenn das Flugzeug dort landet, fühle ich mich nicht, als wäre ich zuhause. Das ist schon so etwas wie Entfremdung. Wenn ich dann nach Deutschland fliege und das Flugzeug nähert sich Frankfurt, dann finde ich, ich bin zuhause. Und man sagt zumindest ja auch: Wenn man in einer Sprache zu träumen beginnt, dann ist die Sprache wie eine Muttersprache. Und das fand ich so interessant, denn das war bei mir auch so.

Abdellah Ouchater im Unterrichtsraum – an diesem Tag ging es im Kurs u.a. um das deutsche Notensystem

Abdellah Ouchater: Das ging mir genauso, das mit den Träumen. Als ich das erste Mal auf Deutsch geträumt habe, hatte ich das Gefühl, das ich integriert bin in die Sprache. Ich fühlte mich gut dabei, es war nicht umsonst, dass ich die Sprache gelernt habe. Und das mit der Heimat kann ich auch nur bestätigen, also: Wenn ich in der Heimat bin – ich komme aus Marokko – dann fühle ich mich irgendwie fremd. Nicht so extrem fremd, aber meine Mentalität hat sich irgendwie geändert, das ist nicht mehr meine Mentalität von damals. Wenn ich mit Freunden spreche, auch überhaupt die Themen, über die sie sprechen, fast alles eben, da gibt es immer große Unterschiede.

„Ich habe selbst erlebt und die Erfahrung gemacht, wie man die deutsche Sprache lernt. Wenn ich dann Deutschlehrer bin, kann ich das bestens an die Kursteilnehmenden vermitteln.“

Redaktion: Erzähl einmal, wie bist du denn nach Deutschland gekommen?

Abdellah Ouchater: In Marokko hatte ich Germanistik studiert, drei Jahre auf Bachelor, habe meinen Abschluss gemacht und dann bin ich nach Deutschland gekommen. Hier, an der Uni Mainz, wollte ich eigentlich weiterstudieren und hatte mich schon eingeschrieben, aber dann wurden doch nicht alle meine Studienleistungen aus Marokko anerkannt. Das war schon ein bisschen frustrierend für mich, ich konnte das Studium dann nicht aufnehmen. Als ich eingeschrieben war, also am Anfang, habe ich studiert, nur um die Sprache zu verbessern. Und auch um das Wissen, also das linguistische Wissen auszubauen. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt! [Anmerkung der Redaktion: Linguistik ist Sprachwissenschaft, sie beschäftigt sich mit Phänomenen wie Lautbildung, Wortbildung, Satzbildung, Kommunikationsmodellen und vielem mehr.]

Redaktion: Hattest du damals schon vor, Deutschlehrer zu werden oder Dozent für Deutsch als Zweitsprache? Was war so deine Idee, was du mit deinem Studium machen wolltest?

Abdellah Ouchater: Genau. Also, in Marokko habe ich schon während des Studiums in einem Studentenjob als Dolmetscher und Übersetzer für die deutsche Botschaft gearbeitet. Oder eigentlich hauptsächlich als Übersetzer, ich habe zum Beispiel die marokkanische Zeitung ins Deutsche übersetzt. Ich habe in Casablanca studiert, das ist 500 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt, und da braucht man eben Geld zum Leben, für die Miete, für Bücher. Das war also der Anfang meiner Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache, sozusagen beruflich. Und dann bin ich hierher nach Deutschland gekommen und ich dachte mir: Ich habe selbst erlebt und die Erfahrung gemacht, wie man die deutsche Sprache lernt. Und ich dachte: Wenn ich dann Deutschlehrer bin, kann ich das bestens an die Kursteilnehmenden vermitteln.

Die Bedeutung der Regenjacke

Redaktion: Und du, Maia, hast bereits als Schulkind ab der 5. Klasse und bis zum Abschluss Deutsch gelernt und dann später auch studiert.

Maia Oschmann: Genau. Ich habe dann Deutsch als Fremdsprache bzw. Germanistik studiert. Und das war eine sehr schöne Erfahrung, weil ich zwei deutsche Dozentinnen hatte, die selbst nach Georgien ausgewandert und dort mit Professoren an der Uni verheiratet waren. Die beiden haben uns sehr viel von Deutschland vermittelt, haben uns zu Theateraufführungen auf Deutsch eingeladen, uns Eintrittskarten gekauft. Bei einer weiteren tollen Dozentin, einer Georgierin, musste wir sehr viel lesen, sehr viel Literatur, alles auf Deutsch. Und das war nicht so einfach, das hat mich sehr geprägt, das fand ich sehr interessant. Wir hatten auch eine Dozentin, die Grammatik vermittelt hat, sie war sehr streng, aber auch wirklich klasse.

Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, finde ich, dass die Methoden nicht immer korrekt waren, weil doch zum Teil auch sehr viel Georgisch im Studium gesprochen wurde. Das war allerdings ja auch schon vor zwanzig Jahren. Und wenn ich das heute überdenke und einschätzen kann, dann denke ich zum Beispiel an unsere Kurs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Die verstehen manchmal die Sachen nicht auf Deutsch und dann bitten sie: Kannst du mir das auf Arabisch, auf Russisch etc. erklären? Da fühle ich schon mit, ich weiß, wie sie sich fühlen, denn das war für mich selbst damals nicht so einfach. Trotzdem meine ich, eine Fremdsprache, egal um welche Sprache es sich handelt, muss schon in dieser Sprache selbst vermittelt werden.

Nach meinem Studium bin ich als Au-pair nach Deutschland gekommen, nach Hamburg, genauer: nach Buxtehude. Da habe ich gelernt, wofür man eine Regenjacke wirklich braucht, die hat eine große Bedeutung in Hamburg. Und der Regenschirm. Regenjacke und Regenschirm waren die zwei Dinge, die ich immer in meiner Tasche hatte, immer. Ich hatte eine sehr schöne Erfahrung als Au-pair, eine tolle Familie.

„Sie müssen Geduld haben und die Sprache lernen, ohne Sprache wird es nicht möglich sein, eine gute Arbeit zu finden.“

Redaktion: War es von Beginn an deine Idee, Deutsch zu unterrichten? Hast du aus diesem Grund Deutsch studiert?

Maia Oschmann: Ich wollte schon irgendetwas mit der Sprache machen, aber nicht unbedingt als Lehrerin. Das Studium war damals ganz neu an der Uni in Tiflis, ich hatte die Vorstellung, vielleicht in den diplomatischen Dienst zu gehen. So etwas in der Richtung. Bei uns war es damals schon so, dass man Aufnahmeprüfungen ablegen musste, ich habe vier Prüfungen absolviert. Aufgrund der Prüfungsergebnisse, aufgrund der Punktzahl, hatte man dann eine Auswahl an Studiengängen. Und ich hatte eine große Auswahl, weil ich die Prüfungen sehr gut bestanden hatte. Ich habe mich dann aber doch gegen eine Laufbahn in der Diplomatie entschieden und habe angefangen, Deutsch zu studieren.

Als ich dann nach Deutschland kam, habe ich zuerst bei McDonalds gearbeitet, um alles zu finanzieren. Deshalb sage ich immer wieder zu den Teilnehmenden: Wir haben alle klein angefangen, ganz unten. Das war nicht so, dass ich nach Deutschland kam und dass man mir gesagt hat: „Hier, bitteschön Frau Oschmann, wir haben nur auf Sie gewartet.“ So war das nicht! Deshalb versuche ich wirklich immer in den Kursen zu vermitteln: „Sie müssen Geduld haben und die Sprache lernen, ohne Sprache wird es nicht möglich sein, eine gute Arbeit zu finden.“ Das ist mir schon sehr wichtig, dass ich das weitergebe.

Lesen Sie in der Fortsetzung bei „FRESKO im Fokus“, welche Berufswege unsere Lehrenden beschritten haben und was für sie das Besondere an der Arbeit bei FRESKO e.V. ist.

28. Juni 2019
von Ingrid Weinreich
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Eat & Meet – Strategien beim Unternehmerfrühstück zur Fachkräftesicherung mit ProAbschluss und dem Institut der deutschen Wirtschaft

 

Eat & Meet - Strategien beim Unternehmerfrühstück

Reichhaltiges Buffet bei der Veranstaltung von ProAbschluss Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis

Die Bildungscoaches und Fachkräfteentwickler von Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis begrüßten am Dienstag Personalentscheidende zu einem Unternehmerfrühstück in die historischen Gemäuer des Höer Hofes in Idstein. Bei einem reichhaltigen Frühstück gab es noch fachliche Kost zur Fachkräftesicherung im eigenen Unternehmen unter dem Titel „Fachkräfte finden – binden – sichern“. Bereits heute ist das Thema Fachkräftesicherung vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen eine der wichtigsten Parameter, um erfolgreich und wettbewerbsfähig am Markt bestehen zu können. Bis 2024 werden mehr als 174.000 Fachkräfte dem hessischen Arbeitsmarkt fehlen, dabei betrifft es insbesondere fehlende Fachkräfte mit einem Berufsabschluss nach einer dualen Ausbildung.

Der geladene Referent, Herr Heuer vom Institut der deutschen Wirtschaft, stellte unterschiedliche Strategien zur Fachkräftesicherung und -bindung vor, insbesondere für die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Bildungscoaches und Fachkräfteentwickler der Initiative ProAbschluss stellten die Fördermöglichkeiten vor und ergänzten jeweils die theoretischen Ausführungen durch praktische Beispiele.

Finanzielle Förderung durch das Land Hessen mit der Initiative ProAbschluss zur beruflichen Nachqualifizierung von Mitarbeitenden

Vorstellung der Fördermöglichkeiten von ProAbschluss – Initiative des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen zur Fachkräftesicherung

Förderung durch die Initiative ProAbschluss:

Durch die Initiative ProAbschluss, gefördert durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und durch die Europäische Union mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds, können Beschäftigte einen qualifizierten Berufsabschluss nachholen. Die Förderung deckt 50 % der Ausbildungskosten einer Nachqualifizierung ab. Die Bildungscoaches für Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis beraten und begleiten die Mitarbeitenden bis zum Ablegen der Prüfung.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine intensive Diskussion und viel Raum zum Netzwerken mit den Personalentscheidern, dem Team von ProAbschluss und dem wissenschaftlichen Referenten vom Institut der deutschen Wirtschaft.

Haben Sie diese Veranstaltung verpasst und möchten Sie gerne mehr über die Fördermöglichkeiten durch ProAbschluss erfahren? Wir Bildungscoaches kommen gerne direkt in Ihr Unternehmen und beraten Sie persönlich zu den beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten und deren finanziellen Förderungen. Sprechen Sie uns an: proabschluss@fresko.org

Wir freuen uns!

Ingrid Weinreich PROAbschluss Bildungscoachinnen Nachqualifizierung FRESKO e.VRuth Weber-Jung FRESKO e.V. Projekt Eltville Asyl
Ingrid Weinreich
0611 969 70 46-7
i.weinreich[a]fresko.org
Ruth Weber-Jung
0611 408074-48
r.weber-jung[a]fresko.org

14. Juni 2019
von Ingrid Weinreich
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Eat & Meet – Einladung zum Unternehmerfrühstück mit ProAbschluss und dem Institut der deutschen Wirtschaft

Für Unternehmerinnen und Unternehmer und Personalentscheider

Wir laden Sie herzlich ein zu „Eat & Meet“ am 25.6. von 8:30 bis 10:00 Uhr in das Restaurant-Hotel Höerhof in der Obergasse 26 in Idstein im Taunus.

Es erwartet Sie ein wohlschmeckendes Frühstück in einem schönen Ambiente mit fachlichem Input zur Fachkräftesicherung durch ProAbschluss und dem Institut der deutschen Wirtschaft.

Handlungsempfehlungen der Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen:

Finden Sie noch die Fachkräfte, die Sie suchen? Welche Wege sind Sie bzw. werden bisher gegangen? Der Blick ins eigene Unternehmen lohnt sich!
In der zweiten Reihe finden sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Potenzial haben, die loyal sind und über Qualitäten verfügen, die für unsere Unternehmen relevant sind. Gibt es hier die unentdeckte Perle, die zur Fachkraft entwickelt werden kann?
Was bringt eine berufliche Qualifizierung der eigenen Mitarbeitenden? Wie läuft eine Qualifizierung ab? Welche Fördermöglichkeiten gibt es?
Diese Fragen und viele weitere werden Herr Heuer des Institutes der deutschen Wirtschaft, sowie die Bildungscoaches der Stadt Wiesbaden und des Rheingau-Taunus-Kreises bei dem Unternehmerfrühstück “Eat & Meet“ beantworten.

Förderung durch ProAbschluss:

Durch die Initiative ProAbschluss, gefördert durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und durch die Europäische Union mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfond, können Beschäftigte einen qualifizierten Berufsabschluss nachholen. Die Förderung deckt 50 % der Ausbildungskosten einer Nachqualifizierung ab.
Starten Sie den Tag mit einem Frühstück, erhalten Sie wertvolle Impulse für Ihre Personalentwicklung und kommen Sie mit anderen Arbeitsmarktakteuren ins Gespräch.
Melden Sie sich noch heute per E-Mail unter www.proabschluss@fresko.org an, denn die Plätze sind begrenzt.

Wir freuen uns auf Sie!

Ingrid Weinreich PROAbschluss Bildungscoachinnen Nachqualifizierung FRESKO e.VRuth Weber-Jung FRESKO e.V. Projekt Eltville Asyl
Ingrid Weinreich
0611 969 70 46-7
i.weinreich[a]fresko.org
Ruth Weber-Jung
0611 408074-48
r.weber-jung[a]fresko.org

17. Mai 2019
von Wencke Strauss
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FRESKO im Fokus: Wie funktioniert die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)?

In unserer neuen Reihe „FRESKO im Fokus“ kommen Menschen zu Wort, die – jeder auf eine besondere, individuelle Art – mit FRESKO e.V. und dessen Projekten verbunden sind.

Nico ist 23 Jahre alt und Auszubildender im Beruf Kaufmann für Büromanagement in der Verwaltung von FRESKO e.V.  Nico ist außerdem Teilnehmer im Projekt „Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen“, kurz: BaE, das im Auftrag der Landeshauptstadt Wiesbaden junge Menschen unter 25 Jahren beim Start ihrer Ausbildung begleitet – und bei Bedarf auch bis zum Berufsabschluss. Der FRESKO e.V.-Onlineredaktion hat Nico erzählt, wie er zur Ausbildung mit BaE gekommen ist, was das Projekt für ihn bedeutet und warum der BaE-Stützunterricht einmalige Klasse ist.

Redaktion: Nico, wie kam es eigentlich, dass du eine Ausbildung bei FRESKO e.V. angefangen hast?

Nico: Ich wohne noch gar nicht so lange in Wiesbaden und FRESKO war mir auch nach meinem Umzug hierher gewissermaßen noch gar kein Begriff, bis ich mit BaE in meine jetzige Ausbildung eingestiegen bin. In meiner Heimatstadt habe ich nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung begonnen, ich musste die aber nach einem Unfall wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten abbrechen. Das war eine Ausbildung, in der ich auch körperlich stark gefordert war, und das ging dann einfach nicht mehr, ich musste mich erst einmal in der Physiotherapie wieder an viele Bewegungen und Aktivitäten heranarbeiten. Im Büro zu arbeiten, konnte ich mir damals schon vorstellen, viele meiner Freunde haben Ausbildungen im Büro gemacht. Aber ich habe mich vielleicht einfach nicht getraut, etwas vollkommen Neues zu beginnen. Nachher ist mir natürlich klargeworden, dass man mit einer Ausbildung immer auch neue Dinge lernt, mit denen man vorher nicht zu tun hatte, dafür ist eine Ausbildung da.

Ich wollte in den Verkauf gehen, weil ich da schon Erfahrungen hatte. Ich habe Freude an Zahlen, ich habe zum Beispiel mal zum Spaß meinen Stromverbrauch bis auf die Kilowattstunde berechnet. Ich setze auch Haushaltspläne auf, damit ich zum Beispiel weiß, wie viel Geld ich für was ausgebe. Ich mag es auch, mit und für Menschen zu arbeiten, ich wollte also erst einmal in den Kundenservice und wollte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann aufnehmen. Da passen ja die Sympathie für Zahlen und der Kundenkontakt einfach gut zusammen. Ich habe dann eine „Betriebliche Eingliederung nach längerer Krankheit“ gemacht, das ist ein Programm für Menschen wie mich, dass wir Schritt für Schritt ins Arbeitsleben zurückkehren können. Da war eine Arbeitserprobung im Verkauf dabei und da habe ich festgestellt: Das ist wohl doch nichts für mich.

Ich wollte auch eigentlich schneller vorankommen, als das bei der Betrieblichen Eingliederung vorgesehen ist, ich hatte ja schon so viel Zeit wegen dieses Unfalls verloren und wollte endlich mit meiner Ausbildung durchstarten. Ich wollte auch möglichst gleich in eine Vollzeitausbildung, Teilzeit hat mich nicht interessiert, obwohl ich auch in Teilzeit hätte verbleiben können. Ich bin aktiv geworden und habe mich selbst beworben, diesmal für eine Ausbildung im Büro. Ich habe jede Menge Bewerbungen versendet und auch probegearbeitet. Das alles hat aber erst einmal nicht zum Erfolg geführt und ich war ganz schön enttäuscht. Und dann kam der Vorschlag, es mit BaE bei FRESKO e.V. zu probieren. Das habe ich dann gemacht, obwohl ich am Anfang sehr skeptisch war, ja sogar Vorbehalte gegen BaE hatte.

Redaktion: Was waren das für Vorbehalte?

Nico: Naja, BaE ist eben eine geförderte Ausbildung und man bekommt weiter ALG II, also das Arbeitslosengeld II als Grundsicherungsleistung vom Staat, und nicht die ‚normale‘ Ausbildungsvergütung. Und am ersten Tag in der Berufsschule, als ‚wir BaE-ler‘ uns in der Klasse vorgestellt haben, kam das auch zur Sprache, nicht das mit dem ALG II, aber schon die Umstände unserer Ausbildung. Denn die anderen Azubis sind ja bei ihrem Ausbildungsbetrieb angestellt und wir BaE-ler eben nicht, also mindestens nicht im ersten Jahr der Ausbildung. Und alle kamen wir von FRESKO e.V. , da hebt man sich schon von den anderen Azubis ab. Das Wort „außerbetrieblich“ klang für mich zuerst auch schlimm, ich habe mir am Anfang viele Gedanken gemacht: Vielleicht denken andere, ich lerne nicht so viel, wie ein ‚normaler‘ Auszubildender, meine Ausbildung hat nicht dieselbe Wertigkeit und ich kann nicht so viel wie jemand, der nicht in BaE war? Diese Gedanken haben bei meinem Start in BaE im August, zum Beginn des Ausbildungsjahrs, schwer auf mir gewogen und ich hatte echt mit Motivationsproblemen zu kämpfen, jeden Tag weiter dabeizubleiben. Ich wollte ja so gern den Anschluss schaffen, ich wollte eine Aufgabe. Und ich hatte zuerst den Eindruck, dass das mit so einer außerbetrieblichen Sache nicht gelingen kann.

Redaktion: Aber jetzt machst du deine Ausbildung bei FRESKO e.V. und bist damit ganz zufrieden, wie wir so als FRESKO-Kolleginnen und -Kollegen mitbekommen. Da hat sich also vieles zum Positiven gewendet in deinen Ansichten?

Nico: Absolut! Als ich erfahren habe, dass FRESKO mich im Haupthaus in der Rheinstraße 36 als Azubi aufnehmen wird, im Bereich Büromanagement, habe ich mich sehr darüber gefreut. Ich bin Mitte August in die Ausbildung eingestiegen. Und zwischenzeitlich haben sich meine Bedenken zerstreut. Ich lerne wirklich viel, ich habe viel zu tun jeden Tag, ich fühle mich als Mitarbeiter wertgeschätzt. Wenn ich nach eineinhalb Ausbildungsjahren eine sehr gute Zwischenprüfung ablege, was ich hoffe, dann könnte ich um ein halbes Jahr verkürzen. Das will ich aber nicht, das habe ich jetzt schon entschieden, ich will mir Zeit geben und die drei vollen Jahre mitnehmen.

Redaktion: Du bist jetzt im ersten Ausbildungsjahr, genauer: fast am Ende von dem Jahr. Was lernst du im Moment?

Nico: Im Moment arbeite ich sehr viel mit Microsoft Excel, zum Beispiel, um optimale Bestellmengen zu errechnen. FRESKO e.V. braucht ja Büromaterial und viele Dinge mehr. Da sind also wieder die Zahlen, die mir so gefallen. Ich lerne aber auch viel zu rechtlichen Aspekten: Arbeitsrecht, Vertragsrecht, welche Rechte und Pflichten haben Auszubildende. Ich lerne, Geschäftskorrespondenz zu schreiben. Dafür braucht man natürlich auch gutes Deutsch, das gibt es an meiner Berufsschule, also an der Schulze-Delitzsch-Schule, noch zusätzlich zum Ausbildungsprogramm. Englisch habe ich auch, ich verstehe gut, wenn ich etwas lese, aber schreiben kann ich nicht so gut. Englisch brauche ich aber voraussichtlich später nicht so unbedingt. Was noch? Buchhaltung und Rechnungswesen kommen dann ab dem zweiten Ausbildungsjahr, darauf freue ich mich schon. Ich begleite die beiden Mitarbeiterinnen der Verwaltung auch viel zu den Projekten, da bekomme ich also mit, wie vielfältig FRESKO e.V. so ist, welche verschiedenen Projekte es gibt. Jedes Projekt hat seine spezifischen Anforderungen und wir von der Verwaltung unterstützen die Projekt-Kolleginnen und -Kollegen, damit alles reibungslos läuft, da haben wir viele Aufgaben.

Was ich noch besonders sagen möchte: Der Stützunterricht in BaE, einmal die Woche etwas mehr als zwei Zeitstunden, ist wirklich toll! Ich habe einen Super-Lehrer, der gut erklären kann, der mich fordert und der mir immer genau so schwere Aufgaben gibt, wie ich bewältigen kann. Der Stützunterricht in BaE ist etwas, was man in einer ‚normalen‘ Ausbildung nicht bekommt, also wirklich einmalig, und der hilft sehr. Wir simulieren zum Beispiel Prüfungen, das trainiert mein Wissen und nimmt gleichzeitig die Nervosität weg für die echte Prüfung. Und da kann ich dann wirklich zeigen, was ich kann.

BaE in Kürze

Wer darf mitmachen?
Die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren, die einen Ausbildungsplatz suchen. Teilnehmen können junge Menschen, die Leistungen nach SGB II beziehen oder in einer Bedarfsgemeinschaft leben. Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FRESKO e.V. unterstützen die jungen Menschen dabei, einen Ausbildungsplatz in einem Beruf des Dualen Systems zu finden, und begleiten sie im ersten Ausbildungsjahr. Während dieses ersten Jahres übernimmt FRESKO e.V. die Vergütung der Auszubildenden und alle anfallenden Verwaltungstätigkeiten.

BaE-Mitarbeiterinnen Gisela Schmidt und Sarah Schmitt (v.l.)

Wie läuft die Ausbildung?
Der praktische Anteil der Ausbildung findet in Wiesbadener Betrieben aus unterschiedlichen Branchen statt. Ziel ist es, dass die Jugendlichen nach einem Jahr vom Kooperationsbetrieb in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernommen werden und schließlich einen anerkannten Berufsabschluss erwerben.

BaE-Mitarbeiterin Kristina Steffen und BaE-Mitarbeiter Heinz-Peter Ballmann (v.l.)

Der sogenannte Stützunterricht ist neben der Betreuung durch die FRESKO e.V.-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter das zweite wichtige Fundament, das das Projekt den jungen Auszubildenden bietet. Im Stützunterricht werden je nach Bedarf des Azubi Themen aus der Berufsschule oder aus der Praxis bearbeitet.

 

Wer bezahlt das?
Auftraggeber des Projekts, das FRESKO e.V. seit dem Jahr 2001 durchführt, ist die Landeshauptstadt Wiesbaden, Amt für Grundsicherung und Flüchtlinge. Finanziert wird das Projekt über das Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. Wenn die Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind, erfolgt die Zuweisung durch die Fallmanagerinnen und Fallmanager der Ausbildungsagentur der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Noch Fragen?
Haben Sie Fragen oder benötigen Sie weitere Informationen? Ansprechpartner und Kontaktdaten finden Sie auf der BaE-Projektseite.

16. April 2019
von Ingrid Weinreich
Kommentare deaktiviert für Qualifizierungsscheck für eine berufliche Qualifizierung in Höhe von bis zu 4.000,- Euro für noch mehr Mitarbeitende

Qualifizierungsscheck für eine berufliche Qualifizierung in Höhe von bis zu 4.000,- Euro für noch mehr Mitarbeitende

Die Initiative ProAbschluss hat die Fördermöglichkeiten ausgeweitet. Mit Inkrafttreten der neuen Förderrichtlinie hat das Land Hessen die finanzielle Förderung durch den QualiScheck angepasst. Nun können alle Mitarbeitenden mit folgenden Voraussetzungen einen Qualifizierungsscheck für eine berufliche Qualifizierung erhalten:

  • Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Hessen
  • Mindestens 21 Jahre
  • Noch keinen Berufsabschluss im ausgeübten Beruf
  • Sozialversicherungspflichtig beschäftigt (auch geringfügig)

Neu ist, dass auch Beschäftigte der Kommunen und kirchlichen Einrichtungen sowie von Körperschaften des öffentlichen Rechtes einen Qualifizierungsscheck beantragen können. Die bisherige Altersgrenze für Antragsberechtigte wurde von mindestens 27 Jahre auf mindestens 21 Jahre gesenkt. Ausgeschlossen von der Förderung sind nunmehr lediglich Beschäftigte des Bundes oder der Länder.

Die FRESKO e.V.-Bildungscoaches beraten auf der IHK Bildungsmesse zur beruflichen Qualifizierung

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