FRESKO e.V.

Verein für Bildungs- und Kulturarbeit

17. Februar 2020
von Wencke Strauss
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Zwei neue Projekte für Geflüchtete gestartet: „SAF“ und „SPrunGG“ bei FRESKO e.V.

Sprache und Arbeit: FRESKO e.V. macht Geflüchtete fit in Deutsch

Nicht jeder Mensch mit Migrationshintergrund, der in Deutschland lebt, hat Zugang zu den Integrationskuren des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und damit zu kostenlosem, gefördertem Sprachunterricht vom ersten Kontakt mit der deutschen Sprache bis zum mittleren Sprachniveau B1. Klar ist aber, dass das Deutschlernen mit der Alphabetisierung, also mit dem Erlernen der deutschen Schriftsprache, nicht aufhört. Und dass diejenigen, die keinen Integrationskurs besuchen können, auch selbst gern weiter lernen möchten – bis sie sich selbständig mit Muttersprachlern und anderen Zweitsprechern auf Deutsch in Wort und Schrift verständigen können.

Um den Deutschförderbedarf derjenigen Migrantinnen und Migranten in Wiesbaden zu decken, die nicht in einem Integrationskurs Deutsch lesen und schreiben lernen und dann weitergehen bis zum B1 und die auch absehbar keinen Kurs besuchen können, hatte die Landeshauptstadt FRESKO e.V. bereits im Jahr 2018 damit beauftragt, das Projekt „Sprache und Arbeit für Flüchtlinge“, kurz: SAF, zu konzipieren und durchzuführen, gefördert aus Mitteln des Ausbildung- und Qualifizierungsbudgets des Landes Hessen.

Im Januar 2020 hat nun eine neue Gruppe in SAF mit dem Unterricht auf dem Niveau A1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) bei FRESKO e.V. begonnen. Die Lernenden, die aus asiatischen und afrikanischen Ländern sowie aus der Karibik kommen, haben sich in der zweiwöchigen Intensivphase zu Kursbeginn schon gut kennengelernt, die Arbeitsatmosphäre ist freundlich und respektvoll. Auch Nachrückende werden herzlich aufgenommen und in der Anfangsphase von ‚alten Hasen‘ aus der Gruppe mit allem vertraut gemacht.

Alle Lernenden besuchen an drei Tagen den Sprachunterricht und nehmen an den anderen beiden Tagen eine Arbeitsgelegenheit (AGH) in Betrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden wahr bzw. durchlaufen bei den BauHaus Werkstätten, Wiesbaden, eine Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM). So arbeiten sie z. B. in den Bereichen Küche, Haustechnik, Grünpflege oder in der Fahrradwerkstatt. Dieser Wechsel von Theorie- und Praxisphasen ist sehr effektiv und garantiert eine enge Verzahnung zwischen Sprachunterricht und Berufspraxis.

Aus SAF hervorgegangen ist das neue FRESKO e.V.-Projekt „Sprache, Praktikum und Grundbildung für Geflüchtete“, kurz: SPrunGG.

SPrunGG wurde konzipiert von Programmentwicklerin Dr. Karin Wullenweber. SPrunGG steht sowohl Teilnehmenden aus SAF als auch anderen Personengruppen offen, die ungefähr das Niveau A1 (GER) erreicht haben und noch in der Zuständigkeit des Sozialdiensts Asyl der Landeshauptstadt Wiesbaden sind. Im Unterschied zu SAF durchlaufen die Teilnehmenden aber dieses Kurses keine Arbeitsgelegenheit, sondern sie sammeln im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums berufliche Erfahrungen direkt auf dem Wiesbadener Arbeitsmarkt. Auch diese Gruppe, die ebenfalls im Januar gemeinsam begonnen hat, zeigt eine große Lernbereitschaft und arbeitet mit hohem Arbeitseifer an ihrem Ziel, das Niveau A2 (GER) zu erreichen und parallel dazu Berufspraxis zu erwerben.

„Die Menschen, die in den beiden Projekten SAF und SPrunGG zusammen lernen und arbeiten, haben eigentlich grundverschiedene Voraussetzungen. Manche unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bei Kursbeginn Bedenken geäußert, ob sie den Sprachkurs zusammen mit der AGH/FIM bzw. mit dem Praktikum schaffen können“, sagt Projektleiterin Dorothee Hansen-Stoffels. „Sie hatten zuvor oft noch keinen geregelten Kursbetrieb oder täglichen Deutschunterricht erlebt und bringen zum Teil aus ihren Herkunftsländern auch nur geringe Schulbesuchszeiten mit, viele haben keinen formalen Berufsabschluss. Die Schwellenängste abzubauen und für alle eine gute Lernatmosphäre, einen dem Lernen förderlichen  Zusammenhalt in der Lerngruppe zu schaffen, das ist unser Anspruch.

Wir wollen erreichen, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer uns so verlassen, dass sie – individuell auf ihrem Niveau, unbedingt aber angemessen und ausreichend – kommunizieren können. Und wir wollen unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich auch aktivieren, das gehört ja ganz klar zu unserem Auftrag in beiden Projekten.“ Deshalb gibt es die Erfahrung und Erprobung in der Praxis in beiden Programmen: Was bedeutet überhaupt Beruf, was bedeutet Ausbildung? Was meinen die Deutschen, wenn sie davon sprechen oder mich fragen, welchen Beruf ich in meinem Heimatland gelernt und ausgeübt habe? Welche Arbeit kann ich mit meinen Fähigkeiten hier in Deutschland aufnehmen?

„Die berufsbezogenen Themen im Kurs sind das Pfund, mit dem wir wuchern können“, so Hansen-Stoffels

„Der Berufsbezug kommt besonders gut bei unseren Teilnehmenden an, davon profitieren sie ganz klar. Die Teilnehmenden lernen Sprachbausteine und Strategien, die sie direkt am nächsten Tag in ihrer Arbeitsgelegenheit bzw. in ihrem Praktikum anwenden können: Wie verstehe ich eine Arbeitsanweisung? Wie lese ich einen Schichtplan? Wie melde ich mich formal richtig krank? Wie stelle ich mich meinen Kolleginnen und Kollegen vor, wie komme ich mit ihnen ins Gespräch? Das sind natürlich die Themen, die unsere Teilnehmenden motivieren weiterzulernen.“

Kursende von SAF wird am 30. Juni 2020 sein. Der gegenwärtige SPrunGG-Kurs-Durchlauf wird bis zum 3. Juli 2020 laufen, anschließend wird es noch eine zweite Runde geben.

11. Februar 2020
von Ingrid Weinreich
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Zweite Chance zur Fachkraft – FRESKO e.V. bietet Beratungstermine im Rheingau-Taunus-Kreis in Eltville, Oestrich-Winkel und Taunusstein an

Sie sind gut in Ihrem Job, haben aber keinen Abschluss dafür? Dann holen Sie jetzt Ihren Berufsabschluss nach mit der Förderung ProAbschluss.

Der Berufsabschluss bestätigt Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten schwarz auf weiß. Mit einer Nachqualifizierung lernen Sie aber auch vieles, was interessant und neu ist und Sie wirklich weiterbringt. Er ist eine wichtige Voraussetzung, um beruflich weiterzukommen und macht Sie zu einer gefragten Fachkraft.

Welche Vorteile Sie als Arbeitnehmer*in haben
  • Berufsabschluss nachholen mit bis zu 4.000 € Förderung
  • Kostenlose persönliche Beratung
  • Mehr Arbeitsplatz-Sicherheit
  • Mehr Aufstiegs-Chancen
  • Mehr Zukunft
Wie Sie vorgehen können

Im Rheingau-Taunus-Kreis beraten die Bildungscoaches Frau Häußer, Frau Weber-Jung und Frau Weinreich Sie unverbindliche und kostenfrei und begleiten Sie bis zum Abschluss der beruflichen Qualifizierung.

Beratung zu Fördermöglichkeiten durch ProAbschluss

ProAbschluss, Förderung von Bildung durch den QualiScheck

Die nächsten Beratungstermine im Rheingau-Taunus-Kreis sind folgende:

Eltville am Rhein im Mehrgenerationenhaus II Walluferstr. 10  14. und 28. Februar, sowie 13. und 27. März 20 von 11:00 – 13:00 Uhr

Taunusstein-Hahn im Familienzentrum Scheiertalstr. 27 – 17. Februar, 02. und 30. März, sowie 27. April 20 von 9:00 – 11:00 Uhr

Oestrich-Winkel vor dem Mehrgene-rationenhaus Hauptstraße 45 – 05. März und 02. April 20 von 11:00 – 15:00 Uhr

Gerne bieten wir Ihnen im Rheingau-Taunus in den Taunussteiner Höfen in Taunusstein-Bleidenstadt und in unseren FRESKO Büroräumen in Wiesbaden Termine nach Vereinbarung an.

Nun kann es losgehen! Nehmen Sie an einer kostenlosen Beratung teil, rufen Sie uns einfach an oder besuchen Sie uns zu den festen Beratungsterminen. Und schon starten Sie mit dem ersten Schritte für Ihr berufliches Weiterkommen mit ProAbschluss.

Ingrid Weinreich PROAbschluss Bildungscoachinnen Nachqualifizierung FRESKO e.V
Ingrid Weinreich
0611 969 70 46-7
i.weinreich[a]fresko.org
Marianne Häußer
0611 408074-48
m.haeusser[a]fresko.org
Ruth Weber-Jung FRESKO e.V. Projekt Eltville Asyl
Ruth Weber-Jung
0611 408074-48
r.weber-jung[a]fresko.org

 

6. Februar 2020
von Wencke Strauss
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Der neue Berufsorientierungskurs für Frauen zur Wiedereingliederung ist gestartet!

Am 13.01.2020 begann der neue Lehrgang mit 14 sehr motivierten Teilnehmerinnen. Es handelt sich bei der „Berufsorientierung für Frauen zur Wiedereingliederung in den Beruf“ um jeweils 3-monatige Teilzeitmaßnahmen, die in drei Phasen untergliedert sind.

1. Unterrichtsphase – In dieser Zeit findet täglich ein 5-stündiger Unterricht im Schulungshaus von FRESKO e.V. in der Rheinstraße 36 in Wiesbaden statt. In der beruflichen Orientierung werden verschiedenen Verfahren bearbeitet. Neben Berufsfindungstests ebenso das Reiss Motivation Profile® nach Steven Reiss sowie das Zürcher Ressourcen Modell® nach Dr. Frank Krause und Dr. Maja Storch.

Anschließend erlernen die Teilnehmerinnen, ihre Bewerbungsunterlangen selbständig nach den heutigen Standards, aber für sich ganz individuell zu gestalten. Anschreiben, Deckblatt sowie neue Bewerbungsfotos komplettieren die Unterlagen. Dem Besuch beim Fotografen sind Einzelberatungen von einer professionellen Farb- und Stilberaterin vorgeschaltet.

Haben die Teilnehmerinnen den für sich passenden Beruf gefunden, der auf ihren Stärken und Fähigkeiten aufbaut, dann suchen die Projektmitarbeiterinnen mit ihnen gemeinsam interessante Praktikumsbetriebe, bei denen eine Praktikumszeit angefragt wird. Das Führen von Bewerbungsgesprächen wird mit den Teilnehmerinnen geübt. Unterrichtseinheiten zum Thema Kommunikation und Körpersprache ergänzen.

Damit die Teilnehmerinnen wieder einen besseren Zugang zu sich selbst und zu ihrer eigenen Wertigkeit finden, arbeiten die Projektmitarbeiterinnen in weiteren Unterrichtseinheiten an ihrem Selbstbewusstsein, an inneren Glaubenssätzen und an ihrer Motivation.

2. Praktikumsphase – Hier findet ein 4-wöchiges Praktikum in einem Betrieb statt, der für jede Teilnehmerin ganz individuell gesucht wird. Das Praktikum findet in Teilzeit statt.

3. Abschlussphase – Die Daten des Projektverkaufs werden ausgewertet und alle Teilnehmerinnen erhalten einen Handlungsplan, in dem die für sie passgenauen Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt dokumentiert sind.

Auch in diesem Lehrgang werden die Frauen wieder von unserem bewährten FRESKO e.V.-Team, Florentine Persin und Constanze Börner, betreut.

Beide Projektmitarbeiterinnen freuen sich auch diesmal wieder ganz besonders darauf, jede Teilnehmerin in dem für sie nächsten und wichtigen Schritt ihres Lebensweges zu begleiten.

5. Februar 2020
von Wencke Strauss
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FRESKO im Fokus: Unsere Lehrenden in den Berufssprachkursen

Wir führen unsere Reihe „FRESKO im Fokus“ mit der Vorstellung von drei Mitarbeiterinnen fort – Marina Bobak, Maia Oschmann und Sabrina Schitthof – die im Bereich Berufsbezogenes Deutsch als Zweitsprache und spezifisch in den Berufssprachkursen gemäß § 45 a AufenthG (auch DeuFöV-Kurse genannt) und in verschiedenen anderen Projekten bei FRESKO e.V. tätig sind.

In der Reihe „FRESKO im Fokus“ kommen Menschen zu Wort, die – jeder auf eine besondere, individuelle Art – mit FRESKO e.V. und dessen Projekten verbunden sind. Lesen Sie hier, welche Berufswege unsere Lehrenden in den Berufssprachkursen beschritten haben und was für sie das Besondere an der Arbeit bei FRESKO e.V. ist.

Redaktion: Wie seid ihr zu eurem Beruf gekommen und in welchen Bereichen habt ihr gearbeitet, bevor ihr zu FRESKO e.V. kamt? Welche Erfahrungen habt ihr da so gemacht? Und: Funktioniert FRESKO e.V. im Prinzip wie jeder andere Träger für Deutschfördermaßnahmen in der Erwachsenenbildung oder gibt es vielleicht etwas, das uns auszeichnet?

Marina Bobak: Ich habe an der Pädagogischen Universität in einer Großstadt im fernen Osten Russlands studiert, an der Grenze zu China. Und zwar direkt Deutsch als Fremdsprache, also DaF – aber für die Schulbildung. Nach dem Studium hatte ich dann die Möglichkeit, an der Uni zu bleiben, am Lehrstuhl für Deutsch als Zweitsprache, und dort habe ich dann selbst die Studenten unterrichtet. Da war ich gerade frisch fertig geworden mit dem Studium und es war nicht immer leicht, den Abstand zwischen mir und den Studenten zu schaffen. Ich war ja jetzt die Expertin, die Studenten, die nur wenige Jahre jünger waren als ich – einige sogar älter – waren die Lernenden. Respekt ist ja die eine Sache, aber die Anerkennung für die eigene Fachlichkeit zu erreichen, wenn man selbst keinen so großen Abstand hat zu der Person, die man unterrichtet, das ist schon eine große Herausforderung gewesen. Als ich dann bei FRESKO e.V. angefangen habe, hatte ich eine neue Herausforderung, nämlich dass es eine große Heterogenität geben kann zwischen den einzelnen Lernern einer Gruppe hinsichtlich des Lernstands und der Auffassungsgabe, aber auch der kulturell unterschiedlichen Herangehensweise an das Deutschlernen. In Russland hatte ich ja nur Russen unterrichtet und konnte bspw. auch die Muttersprache mit hinzunehmen, um das eine oder andere zu erklären. Generell ist es so, dass jede Gruppe, jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer einfach speziell ist. Bei unseren langen Kurslaufzeiten kommen die Teilnehmenden oft auch mit persönlichen Problemen in den Unterricht bzw. spielt ihr Leben außerhalb des Sprachkurses quasi in den Kurs mit hinein. Das geht mir als Lehrerin auch menschlich nahe und ich versuche das zu verstehen, manchmal muss ich den Unterricht dann auch anders gestalten als geplant, ich muss sehr flexibel sein. Diese Flexibilität hat natürlich ihre Grenzen und ich gehe auch oft den anderen Weg und grenze mich ab, denn ich habe ja ein bestimmtes Ziel mit dem Kurs und ich arbeite auf dieses Ziel hin.

Sabrina Schitthof: Ich habe im Master „Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache“ an der Uni Mainz studiert. Meine erste Berufserfahrung war dann zunächst mit Jugendlichen, auch während meines Studiums hatte ich schon Erfahrung mit jungen Leuten gesammelt durch DaZ-Unterricht an der Berufsbildenden Schule. Integrationskurse, Alphabetisierungs- und Orientierungskurse habe ich auch viel gemacht, parallel zu den Sachen an der Berufsschule. Später habe ich mich dann bei FRESKO e.V. beworben und habe am Anfang im Projekt „Sprache und Arbeit für Flüchtlinge (SAF)“ und in den Berufssprachkursen nach der Deutschsprachförderung (DeuFöV) gearbeitet. Ich habe FRESKO so in der Erwachsenenbildung kennen gelernt, und finde das sehr positiv, dass zwischen den Lehrkräften Abstimmungen nicht zwischen Tür und Angel passieren, sondern ein geschützter Raum existiert, in dem man sich auch einmal eingehender austauschen kann. Das hatte ich so vorher nicht, das ist mir hier gleich aufgefallen.

Maia Oschmann: Ich habe zuerst bei einem großen Kursträger in Frankfurt im Programm Berufsbezogene Sprachförderung unterrichtet. Dieses Programm wurde ja im Jahr 2016 von den Berufssprachkursen gemäß § 45 a Aufenthaltsgesetz abgelöst, in denen ich hier bei FRESKO e.V. seit der ersten Stunde zunächst unterrichtet habe und für die ich heute als Fachbereichsleiterin die Verantwortung trage. Und deswegen war „berufsbezogene Deutschförderung“ schon vor FRESKO für mich kein Fremdwort. Bei dem Frankfurter Träger hatte ich ein sehr interessantes Projekt: Das waren griechische Jugendliche, die hier sechs Monate lang Deutsch gelernt haben, die hatten vorher schon das A1-Niveau erreicht, manche sogar A2. Die haben wir auf das B1-Niveau gebracht, weil sie das Sprachniveau für die Ausbildung gebraucht haben. Damals hat es, wie man sich vielleicht noch erinnert, in Griechenland gekriselt und die Jugendlichen waren eben für den Einstieg in Ausbildungen in Deutschland vorgesehen. Das Projekt war für mich sehr interessant, das war für mich eine wertvolle Erfahrung: mit so unterschiedlichen Charakteren zu arbeiten. Ich habe die jungen Leute auch betreut, sozusagen, wir haben am Wochenende Ausflüge gemacht, Und deswegen kenne ich alle Sehenswürdigkeiten in Frankfurt richtig gut, dank dieses Projektes. (lacht) Wir waren dann ganz groß auch in den Zeitungen, denn das war eine Kooperation mit der IHK Frankfurt.

Irgendwann war mir die Fahrerei aber zu viel, das waren immerhin drei Stunden pro Tag im Zug. Ich habe dann in Mainz an der Volkshochschule (vhs) angefangen zu arbeiten. Allerdings waren das Integrationskurse und Alphabetisierungskurse, ich hatte nämlich zwischenzeitlich schon die Alpha-Qualifizierung gemacht und hatte die Berechtigung, in diesen Kursen die Lehrtätigkeit auszuüben. Parallel habe ich bei der vhs in Wiesbaden Orientierungskurse und auch Alpha-Kurse unterrichtet. Das war auch sehr schön, ich habe viele tolle Kolleginnen und Kollegen kennen gelernt. Den Berufsbezug hatte ich dann allerdings erst wieder, als ich bei FRESKO e.V. angefangen habe.

Bei FRESKO habe ich mich beworben, nachdem ich in einem Workshop Ruth Weber-Jung, die Geschäftsführerin, kennen gelernt hatte. Ich wurde dann für die Berufsbezogene Sprachförderung angefragt – zuerst als Vertretung, dann hat eine festangestellte Kollegin in ein anderes Projekt gewechselt und ich bin in Teilzeit bei FRESKO e.V. eingestiegen. Innerhalb von zwei, drei Monaten war ich dann aber schon in Vollzeit tätig und seitdem bin ich hier. Wie das eben so ist. (lacht)

Redaktion: Und wie geht es für euch weiter? Welche Vorstellungen habt ihr für euren weiteren Berufsweg?

Marina Bobak: Ich möchte gern auch an anderen Projekten teilnehmen, sie mitentwickeln, mitgestalten, mitleiten, die nicht so stark auf das Thema Sprache fixiert sind. Ich sehe in anderen laufenden Projekten bei FRESKO, dass vieles außerhalb der Deutschförderung stattfindet, und das interessiert mich sehr. Bei dem Projekt „Sprache, Praktikum und Grundbildung für Geflüchtete“ geht es bspw. darum, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen – zusätzlich natürlich zum Deutschlernen, für das unter anderem ich verantwortlich bin. Das finde ich spannend, weil es nicht nur um den Unterricht geht, sondern um die Anwendung in der Praxis. Da sitzt man am Ende des Sprachkurses nicht mit dem Zertifikat zuhause, sondern hat mehr Erfahrungen gesammelt und ist rausgegangen und hat etwas gesehen und ausprobiert.

Sabrina Schitthof: Mich interessiert weiterhin die Alphabetisierungsförderung. Und auch, wie Marina, noch mal ganz andere Projekte mitzugestalten außerhalb der Berufssprachkurse, in denen ich hauptsächlich eingesetzt bin.

Redaktion: Maia, im Moment unterrichtest du eher noch sporadisch in den Berufssprachkursen, zu Kursstarts und wenn mal eine Vertretung notwendig wird. Ist das Unterrichten für dich ein Teil deines Berufslebens, den du so ein bisschen ad acta gelegt hast? Und ist es für dich ein logischer nächster Schritt, als Fachbereichsleiterin vom direkten Kontakt mit den Teilnehmerinnen im Unterricht mehr in die Planung, in die Entwicklung, in die Koordination und Abrechnung – die ist ja auch immer wichtig – gegangen zu sein? Bzw. bist du als Fachbereichsleiterin umgekehrt ja für vieles verantwortlich, mit dem man sich als Lehrkraft nicht beschäftigen muss. Oder sehnst du dich manchmal ein wenig zurück zur „guten alten Zeit“? Quasi: Da war ich Lehrkraft und habe sehr viel mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Kontakt gehabt, auf dieser unmittelbaren Ebene.

Maia Oschmann: Eines kann ich sagen: Ich habe immer noch sehr viel Kontakt mit den Teilnehmenden und versuche auch, viel zu unterrichten. Am ersten Tag, beim Kursstart, bin ich immer dabei, das ist mir schon wichtig. Was mich wirklich sehr freut, ist, dass ich alle gut kenne. Egal wer an meine Tür kommt, ich kann die Person immer einem Kurs zuordnen und kenne sie einfach persönlich. Und das möchte ich weiterhin beibehalten, trotz anderer Aufgaben. Doch ja, man sehnt sich schon zurück, es war einfacher als Lehrkraft. Aber natürlich ist auch die Tätigkeit als Lehrkraft sehr anspruchsvoll, man muss den Unterricht gut vorbereiten, die Gruppen sind ganz unterschiedlich: A1, B1, Alpha, B2. Da gibt es sehr große Unterschiede. Das Gute an meiner Arbeit jetzt ist, dass ich in Absprache mit einer Lehrkraft deren Unterricht übernehmen kann. Vielleicht hat die Kollegin bzw. der Kollege Überstunden und muss die abbauen oder ich vertrete jemandem im Urlaub. Ich kann also planen, dass ich auch hin und wieder unterrichte und dass ich auch in den verschiedenen Sprachniveau-Stufen unterrichte. Wir haben hier bei FRESKO e.V. ja Berufsbezogene Sprachkurse mit den Zielsprachniveaus A2, B1 und B2. Und dann merke ich: Ah, das ist auch schön, wenn ich unterrichte.

Aber, ja, zur Weiterentwicklung gehört für mich schon auch, den nächsten Schritt zu gehen. Und daher war es für mich eine logische Überlegung, als mir die Fachbereichsleitung angeboten wurde, das anzunehmen. Klar hatte ich auch Respekt und ein wenig Bedenken. Wird das funktionieren? Aber ich dachte: Es ist jetzt so weit, ich kann jetzt etwas wagen. Und wenn es nicht funktioniert – ich habe all diese Prüferlizenzen und Qualifikationen, ich kann auch einfach wieder nur unterrichten.

Weil das Unterrichten eben eine anspruchsvolle, lohnenswerte Tätigkeit ist, aus der man viel Befriedigung ziehen kann. Zu einem guten Unterricht gehören viele Faktoren und auch für eine Lehrkraft läuft nicht immer alles rund. Ich denke, man muss reflektieren können, und ich merke, wenn ich in mich hineinhöre, am besten, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gedacht habe. Zumindest geht es mir so.

Ich denke mir dann: Ach, diese Übung hätte ich besser so gemacht oder so. So wäre es vielleicht besser gewesen. Aber dann weiß ich das fürs nächste Mal und beim nächsten Mal setze ich das um. Und ich sehe dann: Das hat funktioniert. Aber wir sind eben nicht perfekt, wir sind Menschen. Auch Lehrer haben Emotionen, auch Lehrer haben mal einen schlechten Tag. Trotzdem versuchen wir immer, uns in Bestform zu präsentieren. Aber manchmal ist das nicht möglich und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dann auch Verständnis. Für mich ist es wichtig, dass ich direkt kommuniziere, zum Beispiel: Heute geht es mir nicht gut und deswegen habe ich Aufgaben gewählt, bei denen Sie etwas mehr Stillarbeit machen. Und dann sind sie auch ganz auf meiner Seite. Und das sage ich auch immer wieder den Lehrkräften in meinem Fachbereich: Diese direkte Kommunikation mit den Teilnehmenden und das Feedback, das war mir immer sehr wichtig. Und das habe ich mir mindestens einmal die Woche am Freitag, am Ende einer Unterrichtswoche, bei den Teilnehmenden abgeholt. Weil ich denke, nur so kann eine Lehrkraft wachsen oder sich verbessern.

 

18. Dezember 2019
von Wencke Strauss
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Fortbildung „Aktivierende Methoden für den berufsbezogenen DaZ-Unterricht” – Lachen, spielen, rennen, mitmachen …

Das Interview mit Michael Martin Flach führte Dott. Silvia Miglio, IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch bei FRESKO e.V. .

Mit viel Spaß und großem Vergnügen nahmen am 7. Dezember 22 Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkräfte an der eintägigen Fortbildung „Aktivierende Methoden für den berufsbezogenen DaZ-Unterricht” teil. Ziel dieses Seminars, das die IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch bei FRESKO e.V. ausgerichtet hat, war es, Lehrenden einen ‚Handwerkskoffer‘ mit verschiedenen interaktiven Methoden vorzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sie selbst auszuprobieren. Nach jeder Aktivität folgte eine kurze Reflexion über die Lernziele und den möglichen Einsatz der Methode im Unterricht. Die Teilnehmenden schätzten den ressourcenschonenden Aspekt der vorgestellten Methoden. Wir haben dem Referenten, Herrn Michael Martin Flach, ein paar Fragen gestellt.

FRESKO e.V.: Herr Flach, die Fortbildung war sofort ausgebucht. Warum glauben Sie, dass sich so viele Teilnehmende für das Thema „Aktivierende Methoden“ interessieren?

Michael Martin Flach: Die Lehrenden arbeiten meist mit Lehrwerken, die durch Lehrerhandreichungen und sehr geeignete Spielvorlagen unterstützt sind. Dennoch sind sie immer auf der Suche nach neuen Aktivitäten. Aus meiner Erfahrung über die Jahre hinweg habe ich eine Sammlung aufgebaut, die auch Methoden aus den angrenzenden Disziplinbereichen der Spielpädagogik sowie aus den Trainingshandbüchern für Seminare in der Erwachsenenbildung berücksichtigt. Und es gibt auch viele Impulse und Anlässe aus der Grundschulpädagogik, die sich in die Erwachsenenbildung übertragen lassen. Mein Fokus für das heutige Tagesseminar ist auch den Lehrenden zu zeigen, mit möglichst wenig Material auszukommen, weil man nicht immer das Budget und die Vorbereitungszeit hat, und es gibt einfache Dinge, die man auch mit relativ geringem Einsatz gut und effizient darstellen kann. Lehren darf Spaß machen. Das gilt auch für die Lernenden, und das hilft unglaublich der Motivation.

FRESKO e.V.: Lassen sich diese Aktivitäten gleichermaßen für berufsbezogene Kurse und allgemeinsprachliche Kurse verwenden, oder sind sie eher für allgemeinsprachliche Kurse geeignet?

Michael Martin Flach: Die heute vorgestellten Lerneinheiten und Unterrichtsmethoden lassen sich sehr gut in berufsbezogene Sprachkontexte einbauen. Jede Aktivität kann nach Bedarf und Lernzielen angepasst werden.

FRESKO e.V.: Ersetzen Ihre Aktivitäten den klassischen Unterricht mit Lehrwerken, Tafel und Frontalunterricht?

Michael Martin Flach: Das Schönste ist, wenn man eine Mischung hinbekommt, denn die aktivierenden Methoden sollen die Unterrichtsplanung unterstützen und die Übergänge sinnvoll gestalten.  Die Aktivierungsmethode darf nicht nur als Belohnung eingesetzt werden (also Spiele in der 5. Stunde, wenn die Aufmerksamkeitskurve nach unten geht), denn aktivierende Methoden können viel mehr, sie können in ein Thema einführen, ein Thema vertiefen oder auch der Phase des Unterrichtens in der freien Produktion dienlich sein. Sie sind Zusatzmaterial, das den Unterricht lebendig gestaltet.

FRESKO e.V.: Meinen Sie, dass das, was wir heute gelernt haben, sich auch mit digitalen Medien durchführen lässt?

Michael Martin Flach: Ja, das lässt sich auch mit digitalen Medien durchführen. Ich habe für den heutigen Workshop angekündigt, bewusst darauf zu verzichten, weil es eben bei vielen Trägern diese mediale Unterstützung erst eingeschränkt gibt. Das ist jedenfalls oft die Rückmeldung.

FRESKO e.V.: Haben Sie auch aktivierende Methoden, die den Unterricht mit digitalen Medien unterstützen?

Michael Martin Flach: Ja, ich habe auch einen Methodenkoffer mit Aktivitäten, die den Unterricht mit digitalen Medien unterstützen. Es gibt ja wunderbare kleine Filmclips und so weiter. Gerade für Wiesbaden habe ich etwas Zauberhaftes … Das werde ich Ihnen das nächste Mal zeigen!

DaZ-Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Beratende finden bei der IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch Fortbildungen zu den wesentlichen Fragen ihres Berufsalltags. Aktuell ist beispielsweise die Umsetzung der Berufssprachkurse gemäß Deutschsprachförderverordnung (DeuFöV) für DaZ-Lehrkräfte ein wichtiges Tätigkeitsfeld. Das Teilprojekt greift den sich daraus ergebenden Fortbildungsbedarf auf und bietet entsprechende Schulungsangebote – nach Möglichkeit mit Unterstützung digitaler Medien. Dabei dienen die Fortbildungsformate, die von der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch für die Landesnetzwerke entwickelt wurden, als Grundlage.

16. Dezember 2019
von Ruth Weber-Jung
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Infomobiltour im Rheingau-Taunus-Kreis

Beratung zur Nachqualifizierung und Fördermittel des Landes Hessens nutzen

ProAbschluss informiert zu Förderung von beruflichen Abschlüssen

Was für ein Tag. Nach dem Motto „Jeder Abschluss ist ein neuer Anfang“ starteten wir am 05.12.2019 unsere Infomobiltour mit einem Pressegespräch auf dem Dr. Peter-Nikolaus-Platz in Taunusstein. Bei eisiger Kälte aber strahlendem Sonnenschein konnten wir Landrat Frank Kilian und Bürgermeister Sandro Zehner die Initiative ProAbschluss vorstellen. Unterstützt wurden wir dabei von Herr Achim Staab (Wirtschaftsförderung Rheingau-Taunus-Kreis). Am 12.12.2019 war das Infomobil auch auf dem Parkplatz der Kreisverwaltung Rheingau-Taunus-Kreis in Bad Schwalbach, Heimbacher Straße 7.

Seit dem 01.07.2019 beraten wir nun auch im Rheingau-Taunus-Kreis kleine und mittlere Unternehmen und deren Mitarbeitende rund um das Thema Nachqualifizierung und das Nachholen von Berufsabschlüssen. Eine erste Beratung fand bereits während des Pressetermins statt.Pressegespräch InfomobilWenn auch Sie an einer kostenlosen und unverbindlichen Beratung interessiert sind melden Sie sich gerne bei den Bildungscoaches von FRESKO e.V. Ingrid Weinreich oder Marianne Häusser unter Tel. 0611-969 70 467 und 0611-408074-48 oder per E-Mail unter i.weinreich@fresko.org oder m.haeusser@fresko.org.

Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Die Initiative ProAbschluss wird aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und aus Mitteln des Europäischen Sozialfond gefördert. Eine Kofinanzierung erfolgt durch den Rheingau-Taunus-Kreis.

Achim Staab

Beratungstheke

Ruth und BM Zehner

4. Dezember 2019
von Ruth Weber-Jung
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3. Veranstaltung der Eltviller Vielfaltsstrategie

Die Entwicklung der Eltviller Integrations- und Vielfaltsstrategie schreitet weiter voran. Über die letzten Wochen und Monate hat die Stadt mit Unterstützung von FRESKO e.V. diverse Beteiligungsformate für Bürgerinnen und Bürger, Akteure aus Kommunalpolitik und -verwaltung sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft umgesetzt, darunter eine Online-Umfrage, Workshops und zahlreiche Interviews mit wichtigen Akteuren aus Eltville. Gemeinsam wurde überlegt, wie das Zusammenleben in Eltville gestaltet und gesellschaftliche Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger erreicht werden kann.

Am 25.11.2019 fand nun die dritte und vorerst letzte Veranstaltung im Kontext der  Strategieentwicklung statt. Eingeladen waren alle interessierten Eltviller Bürgerinnen und Bürger – und es kamen einige, wobei die schöne Räumlichkeit in der Eltviller Mediathek noch Platz für ein paar mehr Zuhörer und Mitdiskutantinnen geboten hätte. In gut eineinhalb Stunden stellte Ute Diemer die Erkenntnisse und Ergebnisse vor, die bislang im Rahmen der durchgeführten Beteiligungsformate gewonnen werden konnten. Am Ende gab es Raum für Fragen und Feedback sowie informelles Networking.

In den kommenden Wochen wird FRESKO e.V. gemeinsam mit den Initiatorinnen und Initiatoren vom Eltviller Amt für Soziales das Eckpunktepapier der Integrations- und Vielfaltsstrategie finalisieren. Für Eltville ist dies eine hilfreiche Rahmensetzung, die in den kommenden Jahren weiter mit Leben gefüllt werden wird.

 

19. November 2019
von Wencke Strauss
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Nutzen Sie die Zeit! Lernen Sie Deutsch mit Handy und Internet

IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch

Warten Sie darauf, dass Ihr Deutschkurs beginnt?

Wollen Sie neben Ihrem Deutschkurs noch Deutsch üben?

Ist Ihr Kurs schon zu Ende, Sie wollen aber weiterlernen?

Nutzen Sie Handy und Internet.

Hier finden Sie eine Liste mit interessanten Links.

12. September 2019
von Wencke Strauss
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Weiterbildung „Deutsch-Medizin“ für DaZ-Lehrende – ein Erfahrungsbericht

von Dott. Silvia Miglio

Immer mehr internationale Ärztinnen und Ärzte werden an deutschen Krankenhäusern gebraucht. Sie benötigen für die Berufszulassung neben Deutschkenntnissen auf einem hohen Niveau auch Fachsprachenkenntnisse, daher liegt hier ein besonderes Betätigungsfeld für Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkräfte – und ein Fortbildungsbedarf, der von der IQ Servicestelle Berufsbezogenes Deutsch bei FRESKO e.V. gerne aufgegriffen wurde.

Vom 5. bis 9. August 2019 nahm ich an der Weiterbildung „Deutsch-Medizin“ teil, die Dr. Neda Sheytanova von der Arbeitsstelle Deutsch im Netzwerk Saarland des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ äußerst abwechslungsreich, informativ und praxisnah gestaltete.

Im ersten Modul erhielten wir eine ausführliche Einführung in das Berufsfeld und seine sprachlich-kommunikativen und interkulturellen Anforderungen sowie detaillierte Informationen über die Wege zur Anerkennung und Berufszulassung in Deutschland. Darüber hinaus wurde das Konzept des BAMF für den Spezialberufssprachkurs „Akademische Heilberufe“ erläutert und reflektiert. Dieser theoretische Einstieg am ersten Tag verschaffte uns Lehrkräften einen umfassenden Überblick über die Bedarfe der Zielgruppe zugewanderter Ärztinnen und Ärzte.

Deutschkompetenzen und Berufskompetenzen bilden eine Einheit

Das zweite Modul ging sofort in medias res und vermittelte Hilfestellungen für die Förderung der sprachlich-kommunikativen Kompetenzen in konkreten beruflichen Situationen. Wir bekamen konkrete Tipps für die Sprachbedarfsanalyse, beschäftigten uns mit den sogenannten Kann-Beschreibungen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) und konnten anschließend das Gelernte anhand eines Anamnesegesprächs in die Praxis umsetzen. Der rege Austausch mit den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen über die unterschiedlichen Sprachhandlungen lockerte den Tag auf. Hier zeigte sich auch, dass die sprachlich-kommunikativen Kompetenzen Teil der beruflichen Kompetenzen sind und zusammen im Unterricht trainiert werden sollen.

Dies war der richtige Einstieg in das IFSL, also in das Integrierte Fach- und Sprachlernen – gemeint ist damit die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von Sprachunterricht mit fachlichen, hier: medizinischen Inhalten und die Wichtigkeit eines authentischen Trainings vom ersten Unterrichtstag an.

Arzt und Krankenschwester zeigen authentische Kommunikationssituationen

Höhepunkt des Moduls war die Durchführung eines Szenarios durch zwei extra angereiste Gäste: einen Arzt im Anerkennungsverfahren und eine Krankenschwester. Sie spielten eine typische, realitätsnahe Situation im Krankenhaus durch, die aus verschiedenen Handlungsschritten bestand: Anamnesegespräch, Patientenuntersuchung, Ausfüllen des Untersuchungs- und Anamnesebogens, Kommunikation Ärtztin/Arzt-Pflegekraft. Wir hatten die Möglichkeit, die Reihenfolge der Sprachhandlungen zu erkennen, die im Unterricht trainiert werden müssen. In der anschließenden Fragerunde wurden dem Arzt viele Fragen gestellt. So erfuhren wir aus erster Hand, welche Schwierigkeiten ausländische Ärzte meistern müssen, um in Deutschland tätig zu sein. Andere, nicht weniger interessante Inhalte rundeten das zweite Modul ab.

Ich fand es sehr wichtig, dass die Trainerin die Problematik der Vermittlung von Textkompetenz angesprochen und behandelt hat. Fachtexte stellen nämlich Lernende sowohl auf der Wort- als auch auf der Satzebene vor viele Schwierigkeiten. In Gruppenarbeit haben wir viele Methoden zur didaktischen Reduktion erprobt, die im Unterricht angewendet werden können. Auch die Sichtung und Analyse der Lehrwerke und Materialien sowie Internetangebote für Medizinerkurse waren sehr ausführlich und hilfreich. Insbesondere fand ich die Tipps der Referentin und ihre Erfahrungen sehr nützlich, denn jetzt kann ich die Materialien gezielter einsetzen.

Einblicke in die Fachsprachenprüfung für Ärztinnen und Ärzte

Das letzte Modul widmete sich der Prüfungsvorbereitung. Für Lehrende ist die Vorbereitung auf die Prüfung oft schwierig zu bewältigen, da die unterschiedlichen Prüfungsformate eine besondere Herausforderung darstellen. Die Referentin nahm sich Zeit, uns die Unterschiede zu erklären und viele Übungs- und Trainingsmethoden zu zeigen. Wir haben uns lange und intensiv mit den verschiedenen Bewertungsmethoden befasst und anhand von Videos Leistungen bewertet. Dadurch bekamen wir einen umfassenden Überblick über das Niveau, das erreicht werden muss, um die Prüfung zu bestehen. Nur wenn man das Ziel vor Auge hat, kann man den Unterricht effektiv planen und gestalten, denke ich.

Die Betreuung der gesamten Weiterbildung war ausgezeichnet. Die Referentin ist auf alle Fragen der Lehrenden ausführlich eingegangen. Ich habe mein Wissen erweitert und viel dazu gelernt.

30. August 2019
von Wencke Strauss
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Gelungener Start der Fortbildung „Es lohnt sich! Geflüchtete erfolgreich ausbilden.“

Viele haben mitgeholfen und so konnte sie schließlich starten: die vom Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB beauftragte Fortbildung für Ausbilder*innen in Betrieben, die Geflüchtete ausbilden oder dies planen. Von vier Modulen sind nun zwei durchgeführt und wir können eine erste Bilanz ziehen.

Zu Modul 1 fanden sich 10 engagierte Ausbilder*innen am 6. Juli in dem perfekt ausgestatteten, schön vorbereiteten (und glücklicherweise klimatisierten) Raum im Berufsbildungs- und Technologiezentrum  der Handwerkskammer Wiesbaden ein, um sich über das Thema „Rahmenbedingungen bei der Ausbildung von Geflüchteten“ zu informieren, sich in einer Gruppenarbeit auszutauschen und authentische Fälle kennen zu lernen. Alle Teilnehmenden beteiligten sich rege und die Rückmeldungen waren aufschlussreich und sehr positiv. Als Gastdozentin war die Willkommenslotsin der Handwerkskammer Wiesbaden, Anja Kloos, eingeladen. Sie vermittelte den Teilnehmenden in einem Input wichtige und aufschlussreiche Informationen zu rechtlichen Voraussetzungen und zu den entsprechenden Vorgehensweisen.

Das Modul 2 startete am 17.8. erfreulicherweise mit weiteren Teilnehmenden, zumal das Thema des Moduls „Sprache und  Kommunikation“ von allen als größter Bedarf genannt worden war. Entsprechend intensiv, engagiert und für alle Seiten erhellend wurde gearbeitet und die Rückmeldungen waren wieder sehr positiv. Durch den hohen Praxisbezug ließ sich Vieles direkt auf den Arbeitsalltag übertragen.

Diese ersten beiden Module waren auch die Feuerprobe für das neue Team: Claudia Ohlendorf, Silvia Krauß und Dr. Karin Wullenweber. Die drei Dozentinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen und bringen entsprechend vielseitige Kompetenzen und Perspektiven mit ein.

Etwas ungewohnt war die teilnehmende Beobachtung durch Herrn Dr. Wittig vom Forschungsinstitut berufliche Bildung (f-bb). Denn als Pilotprojekt wird die Fortbildung auf Herz und Nieren durchleuchtet und evaluiert, um für eine mögliche bundesweite Umsetzung die besten Anteile herauszufiltern. Hierzu wird die Fortbildung zudem parallel von einem Träger in Hamburg durchgeführt und die Ergebnisse werden kontinuierlich verglichen.

In einem Workshop im BIBB in Bonn am 26.8., an dem Karin Wullenweber und Claudia Ohlendorf teilnahmen, stellte f-bb den Auftraggebern und den durchführenden Trägern die Ergebnisse dar und man tauschte sich lebhaft über viele Elemente der ersten beiden Module aus. FRESKO e.V. wurden exzellente Ergebnisse bescheinigt: In allen Rubriken der Evaluation erreichten wir fast durchgehend 100% volle Zustimmung, sprich die Note „sehr gut“, was uns sehr freut.

Die Fortbildung ist als Blended-Learning-Format konzipiert, das Online-Angebot war bisher aber deutlich weniger nachgefragt als die Präsenzveranstaltungen. Dies bestätigt die auf langer Erfahrung fußende und im Vorfeld geäußerte Einschätzung von FRESKO e.V., dass zusätzliches Online-Lernen für die unter großem Zeitdruck stehenden Ausbilder*innen (noch) nicht das geeignete Instrument sein würde.

Uns hat es großen Spaß gemacht, mit der sehr netten Gruppe zu arbeiten, und wir hoffen, dass wir mit Modul 3 und 4 an die tollen Ergebnisse der ersten beiden Module anknüpfen können.