FRESKO e.V.

Verein für Bildungs- und Kulturarbeit

FRESKO im Fokus: Unsere Lehrenden in den Berufssprachkursen

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Wir führen unsere Reihe „FRESKO im Fokus“ mit der Vorstellung von zwei FRESKO e.V.-Mitarbeitern fort – Maia Oschmann und Abdellah Ouchater – die im Bereich Berufsbezogenes Deutsch als Zweitsprache und spezifisch in den Berufssprachkursen gemäß § 45 a AufenthG (auch DeuFöV-Kurse genannt) tätig sind.

In der Reihe „FRESKO im Fokus“ kommen Menschen zu Wort, die – jeder auf eine besondere, individuelle Art – mit FRESKO e.V. und dessen Projekten verbunden sind.

Träumen auf Deutsch

Redaktion: Maia und Abdellah, ihr habt ja selbst Migrationshintergrund, wie wir sagen. Ihr seid beide selbst als junge Menschen nach Deutschland zugewandert. Abdellah, du hast hier ein Studium begonnen. Bei dir, Maia, fing es an mit einer Stelle als Au-pair. Beide habt ihr Deutsche Sprache und Literatur in euren Heimatländern studiert und konntet euch schon sehr gut verständigen und orientieren, als ihr in Deutschland angekommen seid. Welche Perspektive auf das Thema „deutsche Sprache“ ergibt sich daraus für euch, welchen Einfluss hat da eure eigene Sprach- und Migrationsgeschichte?

Maia Oschmann: Ich finde es wichtig, anderen Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind, weiterzugeben, dass die Sprache sehr wichtig ist. Ich bin mit 20 nach Deutschland gekommen und bin geblieben. Und das war für mich sehr faszinierend, sei es die Mentalität, sei es das Essen, das Wetter. Man denkt: Das sind solche Klischees. Das sind sie aber nicht, das war tatsächlich alles anders. Jetzt allerdings sind inzwischen 20 Jahre vergangen und ich denke: Jetzt bin ich richtig „eingedeutscht“. (lacht) Wenn ich jetzt zuhause bin, in Georgien, da stören mich ganz schön viele Sachen, da sage ich mir: Oh, okay… Das fand ich ganz interessant. Ich bin mittlerweile deutsche Staatsbürgerin, denn ich habe im Laufe der Jahre immer mehr gemerkt, wenn ich nach Georgien fliege und wenn das Flugzeug dort landet, fühle ich mich nicht, als wäre ich zuhause. Das ist schon so etwas wie Entfremdung. Wenn ich dann nach Deutschland fliege und das Flugzeug nähert sich Frankfurt, dann finde ich, ich bin zuhause. Und man sagt zumindest ja auch: Wenn man in einer Sprache zu träumen beginnt, dann ist die Sprache wie eine Muttersprache. Und das fand ich so interessant, denn das war bei mir auch so.

Abdellah Ouchater im Unterrichtsraum – an diesem Tag ging es im Kurs u.a. um das deutsche Notensystem

Abdellah Ouchater: Das ging mir genauso, das mit den Träumen. Als ich das erste Mal auf Deutsch geträumt habe, hatte ich das Gefühl, das ich integriert bin in die Sprache. Ich fühlte mich gut dabei, es war nicht umsonst, dass ich die Sprache gelernt habe. Und das mit der Heimat kann ich auch nur bestätigen, also: Wenn ich in der Heimat bin – ich komme aus Marokko – dann fühle ich mich irgendwie fremd. Nicht so extrem fremd, aber meine Mentalität hat sich irgendwie geändert, das ist nicht mehr meine Mentalität von damals. Wenn ich mit Freunden spreche, auch überhaupt die Themen, über die sie sprechen, fast alles eben, da gibt es immer große Unterschiede.

„Ich habe selbst erlebt und die Erfahrung gemacht, wie man die deutsche Sprache lernt. Wenn ich dann Deutschlehrer bin, kann ich das bestens an die Kursteilnehmenden vermitteln.“

Redaktion: Erzähl einmal, wie bist du denn nach Deutschland gekommen?

Abdellah Ouchater: In Marokko hatte ich Germanistik studiert, drei Jahre auf Bachelor, habe meinen Abschluss gemacht und dann bin ich nach Deutschland gekommen. Hier, an der Uni Mainz, wollte ich eigentlich weiterstudieren und hatte mich schon eingeschrieben, aber dann wurden doch nicht alle meine Studienleistungen aus Marokko anerkannt. Das war schon ein bisschen frustrierend für mich, ich konnte das Studium dann nicht aufnehmen. Als ich eingeschrieben war, also am Anfang, habe ich studiert, nur um die Sprache zu verbessern. Und auch um das Wissen, also das linguistische Wissen auszubauen. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt! [Anmerkung der Redaktion: Linguistik ist Sprachwissenschaft, sie beschäftigt sich mit Phänomenen wie Lautbildung, Wortbildung, Satzbildung, Kommunikationsmodellen und vielem mehr.]

Redaktion: Hattest du damals schon vor, Deutschlehrer zu werden oder Dozent für Deutsch als Zweitsprache? Was war so deine Idee, was du mit deinem Studium machen wolltest?

Abdellah Ouchater: Genau. Also, in Marokko habe ich schon während des Studiums in einem Studentenjob als Dolmetscher und Übersetzer für die deutsche Botschaft gearbeitet. Oder eigentlich hauptsächlich als Übersetzer, ich habe zum Beispiel die marokkanische Zeitung ins Deutsche übersetzt. Ich habe in Casablanca studiert, das ist 500 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt, und da braucht man eben Geld zum Leben, für die Miete, für Bücher. Das war also der Anfang meiner Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache, sozusagen beruflich. Und dann bin ich hierher nach Deutschland gekommen und ich dachte mir: Ich habe selbst erlebt und die Erfahrung gemacht, wie man die deutsche Sprache lernt. Und ich dachte: Wenn ich dann Deutschlehrer bin, kann ich das bestens an die Kursteilnehmenden vermitteln.

Die Bedeutung der Regenjacke

Redaktion: Und du, Maia, hast bereits als Schulkind ab der 5. Klasse und bis zum Abschluss Deutsch gelernt und dann später auch studiert.

Maia Oschmann: Genau. Ich habe dann Deutsch als Fremdsprache bzw. Germanistik studiert. Und das war eine sehr schöne Erfahrung, weil ich zwei deutsche Dozentinnen hatte, die selbst nach Georgien ausgewandert und dort mit Professoren an der Uni verheiratet waren. Die beiden haben uns sehr viel von Deutschland vermittelt, haben uns zu Theateraufführungen auf Deutsch eingeladen, uns Eintrittskarten gekauft. Bei einer weiteren tollen Dozentin, einer Georgierin, musste wir sehr viel lesen, sehr viel Literatur, alles auf Deutsch. Und das war nicht so einfach, das hat mich sehr geprägt, das fand ich sehr interessant. Wir hatten auch eine Dozentin, die Grammatik vermittelt hat, sie war sehr streng, aber auch wirklich klasse.

Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, finde ich, dass die Methoden nicht immer korrekt waren, weil doch zum Teil auch sehr viel Georgisch im Studium gesprochen wurde. Das war allerdings ja auch schon vor zwanzig Jahren. Und wenn ich das heute überdenke und einschätzen kann, dann denke ich zum Beispiel an unsere Kurs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Die verstehen manchmal die Sachen nicht auf Deutsch und dann bitten sie: Kannst du mir das auf Arabisch, auf Russisch etc. erklären? Da fühle ich schon mit, ich weiß, wie sie sich fühlen, denn das war für mich selbst damals nicht so einfach. Trotzdem meine ich, eine Fremdsprache, egal um welche Sprache es sich handelt, muss schon in dieser Sprache selbst vermittelt werden.

Nach meinem Studium bin ich als Au-pair nach Deutschland gekommen, nach Hamburg, genauer: nach Buxtehude. Da habe ich gelernt, wofür man eine Regenjacke wirklich braucht, die hat eine große Bedeutung in Hamburg. Und der Regenschirm. Regenjacke und Regenschirm waren die zwei Dinge, die ich immer in meiner Tasche hatte, immer. Ich hatte eine sehr schöne Erfahrung als Au-pair, eine tolle Familie.

„Sie müssen Geduld haben und die Sprache lernen, ohne Sprache wird es nicht möglich sein, eine gute Arbeit zu finden.“

Redaktion: War es von Beginn an deine Idee, Deutsch zu unterrichten? Hast du aus diesem Grund Deutsch studiert?

Maia Oschmann: Ich wollte schon irgendetwas mit der Sprache machen, aber nicht unbedingt als Lehrerin. Das Studium war damals ganz neu an der Uni in Tiflis, ich hatte die Vorstellung, vielleicht in den diplomatischen Dienst zu gehen. So etwas in der Richtung. Bei uns war es damals schon so, dass man Aufnahmeprüfungen ablegen musste, ich habe vier Prüfungen absolviert. Aufgrund der Prüfungsergebnisse, aufgrund der Punktzahl, hatte man dann eine Auswahl an Studiengängen. Und ich hatte eine große Auswahl, weil ich die Prüfungen sehr gut bestanden hatte. Ich habe mich dann aber doch gegen eine Laufbahn in der Diplomatie entschieden und habe angefangen, Deutsch zu studieren.

Als ich dann nach Deutschland kam, habe ich zuerst bei McDonalds gearbeitet, um alles zu finanzieren. Deshalb sage ich immer wieder zu den Teilnehmenden: Wir haben alle klein angefangen, ganz unten. Das war nicht so, dass ich nach Deutschland kam und dass man mir gesagt hat: „Hier, bitteschön Frau Oschmann, wir haben nur auf Sie gewartet.“ So war das nicht! Deshalb versuche ich wirklich immer in den Kursen zu vermitteln: „Sie müssen Geduld haben und die Sprache lernen, ohne Sprache wird es nicht möglich sein, eine gute Arbeit zu finden.“ Das ist mir schon sehr wichtig, dass ich das weitergebe.

Lesen Sie in der Fortsetzung bei „FRESKO im Fokus“, welche Berufswege unsere Lehrenden beschritten haben und was für sie das Besondere an der Arbeit bei FRESKO e.V. ist.

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